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26/03/2026 • 14:33

3 Fragen, 3 Antworten: OPLAN (US) Straße von Hormus

Mit der defacto Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hat der Iran merkliche wirtschaftliche Verwerfungen ausgelöst.  Inzwischen wurden mehrere Handelsschiffe in oder in der Nähe der Meeresenge mit Raketen und Drohnen angegriffen, der Schiffsverkehr kam nahezu gänzlich zum Erliegen.

Mehrfach wurde daher von der Notwendigkeit gesprochen, Handelsschiffe mittels militärischer Eskorten zu schützen, um den Schiffsverkehr wieder aufnehmen zu können. Doch reicht das aus, um einen sicheren Schiffsverkehr zu gewährleisten? Welche vorbereitenden Maßnahmen sind erforderlich, wie könnte eine Wiedererlangung der Kontrolle über die Straße von Hormus erfolgen und welche Maßnahmen sind für eine nachhaltige Sicherheit der Schifffahrt notwendig? ObstltdG Oliver Hochfellner vom Institut für Höhere Militärische Führung an der Landesverteidigungsakademie beantwortet diese Fragen.

Welche vorbereitenden Maßnahmen sind erforderlich?
Insgesamt haben sich die iranische Marine und insbesondere die Marinekräfte der iranischen Revolutionsgarden zunehmend auf die asymmetrische Seekriegsführung gegen überlegene Seestreitkräfte spezialisiert. Sie bedienen sich dazu einer flexiblen Struktur, bestehend aus kleinen, schnellen, mit Raketen ausgerüsteten Küstenschiffen, landbasierten Stellungen mit Schiffsabwehrraketen, Minenlegern, leichten Flugzeugen und Drohnen sowie Seedrohnen.

Im Rahmen vorbereitender Maßnahmen sind Elemente der iranischen Marine und insbesondere die Elemente der Revolutionsgarden durch die Verfügbarkeit einer Vielzahl an Sensoren aufzuklären (Intelligence, Surveillance, and Reconnaissance – ISR) und ein integriertes Lagebild für die weitere Einsatzführung zu schaffen.

Seestreitkräfte können im Rahmen einer maritimen Machtprojektion (Maritime Power Projection) durch die Androhung oder auch den Einsatz von Luftfahrzeugen, seegestützten Marschflugkörper sowie seegestützter Artillerie gegenüber iranischen Kräften eine abschreckende Wirkung erzielen. Im Konkreten beinhaltet diese Machtprojektion der Seestreitkräfte, den noch verbleibenden iranischen Kräften die Fähigkeit einer effektiven Nutzung des Raumes (No-Sail Zone) sowie die Erzielung einer Wirkung zu verwehren und diese zu zerstören. Das durch den Iran erfolgte bzw. vorbereitete Verlegen von Seeminen erfordert zudem, diese an der Wasseroberfläche und/oder Unterwasser zu räumen. 

Ungeachtet der Notwendigkeit maritimer Fähigkeiten haben gerade zu Beginn einer solchen Operation die Luftstreitkräfte eine priorisierte Rolle. Diese ermöglichen, neben der Generierung eines umfassenden Lagebildes (Sensormix), vor allem die Bewirkung und damit verbundene Zerstörung verbliebener iranischer Fähigkeiten entlang küstennaher Räume. Luftkriegsmittel können dabei gegen landbasierte Stellungen von Schiffsabwehrraketen (v.a. Khalij Fars und Hormuz-2 basierend auf der Fateh-110) und gegen iranische Überwasserziele (v.a. Haidar 110 Schnellboote mit Nasr-1 Seezielflugkörper) eingesetzt werden. Ferner können Luftstreitkräfte im Rahmen eines Lufttransportes Personal und Material rasch verbringen und diese über das gesamte Spektrum einer militärischen Operation unterstützen.

Durch die Ausnutzung des Cyberraums (Cyberspace Exploitation) kann im Rahmen einer Informationsbeschaffung und die konkrete Vorbereitung von Angriffsvektoren eine Überlegenheit sowie die Vorbereitung eines Angriffs iranischer Führungseinrichtungen geschaffen werden.

In einer Zusammenschau können diese vorbereitenden Maßnahmen als eine erste Phase einer möglichen Operation zur Wiedererlangung der Kontrolle über die Straße von Hormus gewertet werden. Diese Phase beinhalten zum einen die Erlangung der Informationsüberlegenheit und zum anderen durch einen Teilstreitkraft-übergreifenden Einsatz eine glaubwürdige Abschreckung (Deter) sowie eine frühzeitige Abnutzung der noch verbliebenen iranischen maritimen und landgestützten Fähigkeiten (Shape).

Wie könnte eine Wiedererlangung der Kontrolle erfolgen?
Mit dem Übergang von vorbereitenden (Shape) und abschreckenden (Deter) Maßnahmen zu einer konkreten Wiedererlangung der Kontrolle über die Straße von Hormus wechselt der Fokus zu den Seestreitkräften, die zu Beginn den iranischen maritimen Elementen eine Nutzung verwehren (Sea Denial), um in weiterer Folge im Rahmen einer maritimen Kontrolle (Sea Control) eine uneingeschränkte Handlungsfreiheit wiederherstellen zu können. Begleitet werden diese Maßnahmen durch eine fortwährende Zerstörung und/oder Verteidigung gegen iranische Überwasserziele. Eine Bereithaltung amphibischer Kräfte ermöglicht die rasche Inbesitznahme küstennaher Räume, von denen aus der Iran eine Wirkung auf Transitkorridore der Straße von Hormus erreicht. Fortführend erfolgt eine Räumung von Seeminen an der Wasseroberfläche und/oder Unterwasser. 

Die Luftstreitkräfte unterstützen durch die Kontrolle des Luftraumes unter der Einrichtung einer Flugverbotszone (No-Fly Zone) die Wiedererlangung der Kontrolle über die Straße von Hormus. Dies bedingt einerseits die Bekämpfung des noch verfügbaren iranischen Luftpotentials (v.a. leichte Flugzeuge sowie Drohnen) und Seedrohnen und andererseits den Kampf gegen Infrastruktur für Marschflugkörper und ballistische Raketen, boden- sowie seegestützte Abschussrampen, logistische Einrichtungen und die damit verbundenen Führungsstrukturen.

Durch Angriffe im Cyberraum werden Effekte im physischen Umfeld (v.a. iranische Führungseinrichtungen) erzielt und iranische Systeme mittels Angriffen im elektromagnetischen Umfeld zerstört bzw. getäuscht.

In einer Zusammenschau können die Maßnahmen zur Wiedererlangung der Kontrolle (Engage) als eine zweite Phase einer möglichen Operation gewertet werden. Durch das Verwehren und zugleich Zerstören verbliebener iranischer Potentiale und der damit verbundenen maritimen Kontrolle und Kontrolle des Luftraumes sowie der Vorbereitung zur Inbesitznahme küstennaher Räume ermöglicht diese Phase den Übergang zu einer nachhaltigen Kontrolle und Errichtung sicherer Transitkorridore.

Welche Maßnahmen sind für eine nachhaltige Sicherheit der Schifffahrt notwendig?
Ungeachtet einer maritimen Kontrolle durch US Seestreitkräfte braucht es nachhaltige Maßnahmen, um für die zivile Schifffahrt sichere Transitkorridore zu gewährleisten. Dazu zählen zum einen die fortlaufende Präsenz zum Schutz maritimer kritischer Infrastruktur sowie Knotenpunkte und Kontrollpunkte des Schiffsverkehrs und zum anderen eine aktive maritime Sicherheit, um Risiken und Bedrohungen noch verbliebener iranischer Fähigkeiten frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Eine aufgelockerte sowie gestaffelte Durchfahrt der zivilen Schifffahrt bedingt zugleich das Eskortieren dieser.

In der Domäne Luft sind durch die Luftstreitkräfte die Kontrolle des Luftraumes aufrechtzuerhalten und eine Wirkung verbliebener iranische Luftpotentiale, Marschflugkörper und ballistischer Raketen (boden- sowie seegestützt) zu verwehren. Landstreitkräfte können zuvor durch amphibische Elemente der Seestreitkräfte in Besitz genommene küstennahe Räume halten und ein Wirksamwerden iranischer bodengebundener Elemente verwehren.

Durch Cyberaufklärung (Cyber Intelligence) werden Bedrohungen im Cyberraum identifiziert und bewertet und bei Bedarf Effekte im physischen Umfeld erzielt und iranische Systeme mittels Angriffen im elektromagnetischen Umfeld zerstört bzw. getäuscht.
Zusammenfassend sind die Maßnahmen zur nachhaltigen Kontrolle (Control) der dritten Phase einer möglichen Operation zuzuordnen. Durch das umfassende Verwehren verbliebener iranischer Potentiale und die Schaffung sicherer Transitkorridore für die zivile Schifffahrt wird der angestrebte Endzustand (Endstate) „Freedom of Navigation“ erreicht.

Eine nachhaltige Kontrolle der Straße von Hormus erfordert nicht allein militärische Stärke, sondern den koordinierten Einsatz aller Machtinstrumente (Diplomatie, Information, Militär, Wirtschaft), um Stabilität, Abschreckung und internationale Legitimität zugleich sicherzustellen.

 

 

 

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